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30.07.2014, 12:23 Uhr | Gerhard Lehrke Übersicht | Drucken
Huysburg - eine Erfahrung (von Gerhard Lehrke)




Huysburg – eine Erfahrung

 

Wecker, Termine, Telefonate, Deadlines, Abrechnungen, Steuer, Familie, und ein bisschen Freizeitbeschäftigung muss auch noch sein: Viele von uns haben keine Zeit mehr, fühlen sich wie im Hamsterrad.

Da hilft Kloster. Das klingt ein bisschen esoterisch – vor allem, wenn von „Einkehr und Entschleunigung“ die Rede ist. Aber ein verlängertes Wochenende im Benediktinerpriorat Huysburg (hinter Magdeburg links weg und noch eine gute halbe Stunde) wirkt besser als jede Beruhigungspille.

Über die MIT Steglitz-Zehlendorf, wieder von Gaetano Foti initiiert, waren vom 18. bis 20. Juli elf Menschen auf dem Berg bei Halberstadt –  und legten eine unmerkliche geistige und seelische Vollbremsung hin.

Betreut von Bruder Jakobus, einem klugen, einfühlsamen und beschlagenen Mönch, gab es viel „kann“ und kein „muss“. Man kann früh morgens in der Kirche mit den Mönchen beten. Man kann sich einer kunsthistorischen Führung durch Jakobus anschließen. Man kann über die Welt und Gott reden. Man kann an einem schweigenden langen Spaziergang teilnehmen. Man kann am Sonntag eine Messe mitfeiern, mit Abendmahl, Weihrauch, Mönchsgesang und vielen Liedern. Man muss aber nicht.

Es ist ein Angebot, Religiosität inbegriffen.

Das einzige Muss: Wer dort ist, muss sich auf seine Mitreisenden einstellen und das Gespräch nicht fürchten (gerne auch gegen Mitternacht auf dem weitläufigen Hof bei geistigen Getränken).

Gewohnt wird einfach, aber nicht unbequem im Ekkehard-Gästehaus in alten, aber schön hergerichteten Gemäuern. Gegessen wird gemeinsam, telefoniert wird wenig, weil der Handyempfang mäßig ist.

In der Summe ist das Ergebnis: Entspannung, Selbstbefassung, innerer Blick in die Weite, beim einen oder anderen ein repariertes Seelenleben. Protestanten und „Heiden“ sind übrigens überaus willkommen und können sich der Aura des Orts, wenn sie nicht gerade bewusst Gegenwehr leisten, nicht entziehen.

Die Kosten seien nicht verschwiegen, auch, weil sie sehr zivil sind: 146 Euro (ohne jene geistigen Getränke) für zwei Übernachtungen, zwei Frühstücke, drei Mittag- und zwei Abendessen.

Das Benediktiner-Priorat Huysburg ist ein „Ableger“ eines Klosters in Trier, wurde vor tausend Jahren gegründet. Im vergangenen Jahrhundert wiederbelebt, beherbergt es neun Mönche. Das „Ekkehard“-Gästehaus, nach dem Klostergründer benannt, hat 40 Betten, vorwiegend in Einzelzimmern.

In der näheren Umgebung empfiehlt sich ein Besuch in Halberstadt: Dom und opulenter Domschatz, Gleimhaus und das eigentümliche John-Cage-Orgelkonzert (639 Jahre!) lohnen unbedingt.                             GL


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